Was noch Laub hat, zeigt sich in gelb, rot oder braun oder ist immergrün. Eine Ausnahme gibt es und die erregt immer wieder einiges Aufsehen: mein Lieblingsbaum. Mein Lieblingsbaum ist ein Immerschön. Er wächst zu einer malerischen Gestalt heran, öffnet schöne, mattglänzende, dunkelgrüne Blätter, blüht in üppigen, weißen "Trugdolden", zeigt später rotorange Früchte, die auch noch haften, wenn die Blätter im Dezember abgefallen sind. Letztere kann man auch essen muss man aber wirklich nicht. Das wäre auch ein bißchen viel der Talente, würde der Baum auch noch als Obstgehölz eine gute Figur machen.
Mein Baum heißt zu deutsch "Apfeldorn" ist aber eigentlich ein Weißdorn, der einer Ehe zwischen einem Europäer und einer Mexikanerin verdankt; ein Mestize also, der auf den botanischen Namen Crataegus x lavallei hört, wobei das kleine "x" darauf aufmerksam macht, dass mein Lieblingsbaum einer Kreuzung entsprungen ist.
Mein Lieblingsbaum ragt jetzt mit leuchtendroten Beeren und dunkelgrünen Blättern in den blauen Novemberhimmel und gibt zu einiger Neugier Anlass: bei kaum einem Gartenhölz kommt so oft die Frage nach dem Namen. Deswegen hab ich das Gehölz auch in vielen Gartenberatungen empfohlen und in Gartenplanungen als Hausbaum eingebaut. Vielleicht war er sogar eine der teuersten Anschaffungen meines Garten - er hat mich 250 Euro gekostet.
Mancherorts ist er als kleinbleibender Straßenbaum gepflanzt und sorgt für südliche Atmosphäre. Leider hat er einen kleinen Haken. Er hat zwei üble Liebhaber, die ihm nach dem Leben trachten: einen kleinen Käfer namens Agrilus und ein Bakterium, das auf den Namen Erwinia hört und den deutschen Namen "Feuerbrand" trägt. Was wäre der Garten, ohne die Gegenspieler? Abbringen werden sie mich jedenfalls nicht von meiner Zuneigung. Und so lange mein Lieblingsbaum in unseren Gärten eine Seltenheit ist, werden die beiden Schurken auch nicht den Weg in meinen Garten finden.
tjards

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